K. Satchidanandan (geboren 1946)

Biographische Information (Person und Werk)

K. Satchidanandan K. Satchidanandan auf der Frankfurter Buchmesse 2006 Foto: H.J. Findeis

Der national und international bekannte und vielfach ausgezeichnete indische Lyriker, Kritiker, Essayist, Übersetzer und Herausgeber Kayamparambath Satchidanandan (K. Satchidanandan) ist ein führender Repräsentant der zeitgenössischen modernen Dichtung Indiens in Malayalam, der offiziellen Sprache des südindischen Bundesstaats Kerala. Er wurde am 28. Mai 1946 in dem Dorf Pulloot, Kodungallore, (Thrissur), Kerala geboren. Heute wohnt er mit seiner Frau und zwei Töchtern in Neu Delhi. Er teilt sein Leben zwischen der Hauptstadt und Kerala auf.

Bildung und akademischer Werdegang

Satchidanandan erwarb einen Magister in Anglistik an der Kerala Universität und promovierte mit einer Dissertation über post-strukturalistische Theorie an der Universität Calicut, Kerala. 25 Jahre lehrte er Anglistik am Christ College dieser Universität. 1996 wurde er einstimmig zum General-Sekretär der „Central Sahitya Akademi“ (nationale Literatur-Akademie Indiens) in Neu Delhi gewählt. Diese führte er während eines Jahrzehnts (1996-2006) erfolgreich zur literarischen Blüte. Er wirkte auch als Herausgeber der lit. Zeitschrift „Indian Literature“ und fand viel Anerkennung bei den vielsprachigen Literaturszenen der Nation. 2006 kehrte er zurück zum akademischen Beruf und wurde Direktor und Professor der „School of Translation Studies and Training“ an der Indira Gandhi National Open University, Neu Delhi, bis zu seiner Emeritierung 2011. K. Satchidanandan wurde zum Präsidenten der Kerala Sahitya Akademi ernannt und trat sein Amt am 9. März 2022 an.

Dichtungskonzepte und Werke

Bemerkenswert ist, was Satchidanandan zum Ursprung seiner eigenen Dichtung äußert: „Ich kann nicht sagen, woher die Dichtung zu mir kam: ich hatte keine Dichter-Vorfahren. Immer wenn ich versuche, darüber nachzudenken, höre ich die diversen Strähnen des ununterbrochenen Regens in meinem Dorf in Kerala, und ich erinnere mich ebenfalls an die leuchtenden Zeilen des Malayalam-Ramayanas, das ich als ein Schuljunge gelesen habe. Meine Mutter lehrte mich, mit Katzen, Kühen und Bäumen zu reden. Von meinem Vater lernte ich, mit den Göttern und Geistern zu kommunizieren. Meine geisteskranke Großmutter lehrte mich, eine parallele Welt zu erschaffen, um vor der gemeinen Normalität der ermüdenden Alltagswelt zu entfliehen; die Toten lehrten mich, eins mit der Erde zu sein. Mich zu bewegen und zu schütteln, ohne je gesehen zu werden, lehrte mich der Wind; und der Regen trainierte meine Stimme in tausend Modulationen. Mit solchen Lehrern war es mir unmöglich, nicht Dichter zu sein.“ (Quelle: K. Satchidanandan, Ich glaube nicht an Grenzen, ausgewählt und übersetzt aus dem Malayalam ins Deutsche von Annakutty Valiamangalam K.-Findeis, Draupadi Verlag, Heidelberg, 2006, S. 9)

Er entwickelt nach und nach ein „polyphones und offenes Konzept“ der Dichtung. S. ist ein bilingualer Dichter, schreibt Gedichte in Malayalam und Prosa auf Englisch. Drama und Theaterstücke, Essays und Reiseliteratur. Übersetzung indischer und internationaler Dichtungen in einer ihm eigenen sprachlichen Adaptation gehört ebenso zum Repertoire seines literarischen Schaffens. Ein wichtiger Beitrag zum weiten Horizont der interkulturellen Offenheit und des Integrationspotentials der Malayalam-Literatur.

Aus drei Quellen schöpft Satchidanandan seine Inspiration: die spezifischen sowohl mündlichen als auch schriftlichen Traditionen der Malayalam-Dichtung, die umfassenderen indischen klassischen und modernen Traditionen der Dichtung und die avantgardistischen Trends der modernen europäischen bzw. westlichen Poesie.

In den 1960er Jahren durchlief die Malayalam-Dichtung eine radikale Transformation in Themen, Stimmung und Form. Diese radikale Veränderung hatte ihre Wirkung auf S. dichterisches Schaffen, und umgekehrt bereicherte seine poetische Kreativität die Malayalam-Dichtung ihrerseits mit neuen Richtungen, Impulsen und Dimensionen. In seinen frühen Versuchen regten ihn die Malayalam-Dichtung des Ramayana und biblische Texte wie das Psalmenbuch und die apokalyptischen Bilder und Sprachformen des sog. Offenbarungsbuches an. Seine weltweit ausgreifende und intensive Lektüre fremder literarischer Werke öffnete ihn für den Einfluss von Pablo Neruda, Bertold Brecht, Ho Chi Minh, Mao Tse-Tung, den japanischen Schriftstellern des Haiku, den afrikanischen Radikalen u.a. In der Begegnung mit den poetischen Konzepten und Gestaltungsweisen in sich verändernden kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten wird Satchidanandan zum engagierten weltoffenen humanen-marxistischen Autor. Werte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit, Demokratie, Infragestellung der Grenzen, Migranten, Frauenemanzipation, Sprache, Liebe, Leiden, Tod, Respekt für alle Formen des Lebens, Natur und Umweltprobleme, Kritik des Faschismus, des Stalinismus, des religiösen Fundamentalismus, der Kastenunterschiede, Kritik an schockierenden Pogromen gegen Muslime in Gujarat (2002), usw. behandeln seine Gedichte. Im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft, Globalismus und Partikularismus spiegeln sich Ängste und Dekadenz des gegenwärtigen Indien; Gedichte wie „Karnan“ und „Hymne an die Göttin“ sind erfüllt von Trauer und prophetischem Zorn. Neben mythischen Figuren und Metaphern aus den Puranas, Mahabharata etc. stehen buddhistische und biblische Motive; zum Beispiel das Gedicht „Karfreitag“. In den 70er Jahren verstärkt sich das sozial-politisch-revolutionäre Moment; nun wird auch die Bedrohung der Umwelt zusehends bewusst. Die lyrische Textur wird komplexer; Paradoxa und Dissonanzen bestimmen den Ton; das gegenwärtige Indien erscheint unter einem Bann verhängnisvoller politischer Leitideen.

Vielfalt des Schaffens und wachsende Anerkennung

Satchidanandans wegweisender großer Beitrag als Dichter zur „New Poetry“ in Malayalam ist in mehreren Gedicht-Bänden (38) seit 1970 dokumentiert. Außerdem hat er (22 oder mehr Bände) Sammlungen von Gedichtübersetzungen, (22) Sammlungen von kritischen Aufsätzen, zwei Dramen und fünf Bücher über indische Literatur in Englisch verfasst.

Beachtung findet er in Indien und international auch durch seine zahlreichen Essays, aktuelle Stellungnahmen, Interviews in namhaften literarischen Zeitschriften und angesehenen Zeitungen, Präsentationen, Vorträge und Dialoge in Rundfunk, Fernsehen, YouTube, durch seine weltweiten Reisen, die Teilnahme an internationalen Literaturfestivals, Ehrungen, Lesungen und infolge vermehrter Kontakte in der literarischen Welt. Einige Beispiele der internationalen Beachtung: S. war z.B. Gast der Internationalen Frankfurter Buchmesse (2006) mit Indien als Schwerpunkt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Gedichtband „Ich glaube nicht an Grenzen“ (Draupadi Verlag) in einer gut besuchten Lesung vor- und ausgestellt. Satchidanandan war anschließend vom „Haus der Sprache und Literatur“ nach Bonn zu einer sehr gut besuchten und kommentierten Lesung und Diskussion eingeladen. Der Malayalam-Dichter war bereits mehrfach als geschätzter indischer Gast für Lesungen im Ausland, z.B. 1986 in Russland (damals Sowjetunion), „Printemps des Poètes“ in Paris (2003), das Berliner International Poetry Festival (2005) und später das Poetry International Festival Rotterdam (2012) haben S. als Gast zu Lesung und Gespräch über sein Verständnis von Dichtung begrüßt, auch Italien (Rom 2002 und 2005) etc.

Die Wertschätzung Satchidanandans unterstreichen 35 Awards für seinen literarischen Beitrag in Indien. Mit fast allen wichtigen Literaturpreisen der Nation Indien und des Bundesstaats Kerala wurde der Dichter geehrt. Von den vielen Ehrungen aus dem Ausland seien hier nur einige erwähnt: Friendship Medal, Govt. of Poland (2005), Knighthood of the Order of Merit, Govt. of Italy (2006).

Als einer der Gründer der „post-modernen“ Malayalam-Dichtung und mit seiner über ein halbes Jahrhundert langen poetischen Karriere bleibt Satchidanandan unübertroffen. Wort und Gestalt sind öffentlich gegenwärtig: Seine Gedichte verkünden eine Welt ohne Grenzen, ohne Diskriminierung und Unterdrückung und plädieren für Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Solidarität, den Schutz der Natur und Frieden. Seine Gedichte sind philosophisch-reflexiv, dialogisch mit sich selbst und mit dem Leser, aber auch skeptisch-kritisch-ironisch und humorvoll. Einfache Sprache, leicht verständlich, öffnet sich seine Dichtung einem jeden, der sich ihr zuwendet und sich von ihr ansprechen lässt. Ein Dichter mit großer politischer und ethischer Sensibilität. Obwohl angefangen als marxistischer Autor, wurde er nach und nach kritisch gegenüber dem autoritären Marxismus, jedoch bleibt er dem Marxismus und Sozialismus in seiner Aufgeschlossenheit und kritischen Auseinandersetzung treu. Seine intensive Beschäftigung mit den Bhakti- und Sufi-Dichtern wie Kabir, Namdev, Lal Ded, Akkamahadevi, Andal usw., die er ins Malayalam übersetzte, und durch seine eingehende Beschäftigung mit indischen Denkern wie Lohia, Vivekananda, Ambedkar und Gandhi, der sich selbst „Künstler der Gewaltlosigkeit“ nannte und durch seine Wortmacht wirkte, entwickelt er eine innige Verbundenheit mit dem indischen Verständnis der Zusammengehörigkeit von Säkularem und Sakralem im Unterschied zum westlichen Konzept von „Säkularismus“. Satchidanandan verbindet Marxismus und Spiritualität. Er betrachtet die Dichter als „Künstler des Wortes“ und achtet die großen Dichtungszeugnisse wie die Gita als „Philosophie im Vers“. Er setzt auch Akzente in seiner starken Kritik an jeder Art des religiösen und ideologischen Fundamentalismus, wie Hindutva, Islamophobie, Rassismus usw.

Satchidanandans Gedichte sind in die Schulbücher und in die Syllabi der Universitäten aufgenommen worden. Mehrere Dissertationen über seine Lyrik sind bereits verfasst worden. Seine gesellschaftliche wie literarische Rolle für die Frauenemanzipation spiegelt sich in seinem Ruf als „pioneer in Women's Studies“ in Malayalam und in dem von ihm erfundenen Malayalam-Begriff „Pennezhuthu“ für Frauenliteratur!

Satchidanandan ist ein Meister der Übersetzung. Diese bedeutet für den Dichter „eine Transmigration von Ideen und Kulturen!“ Durch seine Übersetzung der Lyrik aus vielen indischen und ausländischen Sprachen ins Malayalam bereicherte er die Malayalam-Sprache und Literatur. So öffnet er für die differenzierte Malayalam-Sprachkultur den vielsprachigen Raum der Kulturen und ihrer Literaturen bzw. Dichtungen. Zugleich fördert er die Entwicklung des Malayalam und dessen moderne Ausdrucksfähigkeit in der ständigen Begegnung mit der Sprachkunst anderer Prägung, Wahrnehmung, Benennung und Gestaltung in literarischen Genres. 60% seiner eigenen Malayalam-Gedichte hat Satchidanandan in den letzten Jahren selbst ins Englische übersetzt. Seine Werke sind ebenso von anderen Übersetzern ins Arabische, Assamesische, Bengali, Englisch, Hindi, Gujarati, Marathi, Punjabi, Kannada, Telugu, Tamil, Urdu, Französische, Deutsche, Italienische, Chinesische und Schwedische u.a. übersetzt worden.

Prof. Dr. Wolfgang Kubin, selbst ein deutscher Dichter und Sinologe an der Universität Bonn, hat in seiner Rezension des Gedichtbandes „Ich glaube nicht an Grenzen“ in der Zeitschrift „Orientierungen“ (2/2007) so treffend den indischen Dichter aus Kerala und seine Lyrik porträtiert: „K. Satchidandan ist definitiv nicht ein Dichter, der sich von der Welt distanziert ... Er ist ein Dichter unterwegs auf einer Reise. Poesie für ihn ist ein Schrei gegen alle Mauern. Es ist seine kosmopolitische Weltanschauung, die ihn und seine Lyrik über die Grenzen Indiens hinaus interessant macht.“

Annakutty Valiamangalam K.-Findeis

Publikationen in Auswahl

Werke original in Malayalam – Sammelband:

  • Satchidanandante Kavithakal, 1965-2015 (Gesammelte Gedichte in einem Band), 2016

Übersetzungen ins Englische (vom Dichter selbst):

  • Summer Rain, RD Yugutsu-Nirala publishers, Delhi
  • How to get to the Tao Temple, Har Anand (Hrsg.), Delhi
  • So many Births, Konarak Publishers, Delhi, 2001
  • Stammer and Other Poems, Konarak Publishers, Delhi
  • Imperfect and Other Poems, Olive Publishers, Calicut, Kerala, 2000

Übersetzungen ins Hindi (Auswahl):

  • Apurna aur anya Kavitayem, Delhi 2000
  • Chunnee Huyee Kavitayen, 2008

Übersetzung ins Deutsche:

  • Ich glaube nicht an Grenzen, herausgegeben und aus dem Malayalam ins Deutsche von Annakutty Valiamangalam K.-Findeis, Draupadi Verlag, Heidelberg, 2006

Übersetzung ins Französische:

  • Tant de Vies, Editions Characteres, Paris, 2002

Übersetzung ins Italienische:

  • Iriti della Terra, Castelvecci, Rome, Februar 2005

Leseproben aus „Dukham Enna Veedu“, DC Books, Kottayam, 2020

Die Demokratie

Zwei Arten von Menschen gibt es: Wir und Ihr Um uns zu definieren, gibt es mehrere Wege: Eine Kaste, eine Religion, einen Gott, eine Farbe, eine Fahne, einen Feind Euch zu definieren ist leicht: die, die nicht wir sind. Eure Geschichte ist anders, Geographie ebenso anders. Wir sind von hier, Ihr seid gekommen. Wir sind Sieger Ihr seid Verlierer. Wenn wir töten, sind wir Patrioten. Wenn Ihr tötet, Landesverräter. Wir herrschen, ihr stürzt. Sklaven wird es nicht mehr geben Nur Besitzer werden bleiben. Unser, durch uns, für uns: Das ist Demokratie.

(Übersetzt von Annakutty Valiamangalam K.-Findeis aus dem Malayalam, am 29. September 2021)

Brief eines Soldaten

Der lieben Mutter,

bitte schick mir doch gleich die folgenden Dinge mit der Rück-Post:

  1. Wenn Kanonenkugeln in die Wüste stürzen, um mein Ohr zu versüßen, schick mir bitte den Gesang der Amsel, den sie immer anstimmt, wenn sie unseren Hof besucht.
  2. Wenn ich mich unter den Büschen verstecke, sende mir einen Papagei und einen Regenbogen oben am Himmel über meinen Kopf.
  3. Wenn ich in der Kälte erfriere, schicke mir bitte die Worte des Gurus, um mich zu erwärmen.
  4. Schicke mir ein Zündholz, um Feuer anzuzünden. Darin will ich die vulgären Schimpfwörter des Armeehauptmanns verbrennen.
  5. Um den Hunger für lange Tage zu stillen, brauche ich ein Spinatblatt aus Deiner Küche.
  6. Um den quälenden Durst zu stillen, schick mir eine dunkle Wolke, die über Panippat schleicht.
  7. Send mir das Bellen unseres Haushunds Jagthar, damit ich Norden und Süden unterscheiden kann.
  8. Die Erinnerung an Samira treibt mich, nach Haus zu rennen, schick mir eine Kette, um meine Beine zu fesseln.
  9. Wenn ein Schuss des hilflosen Bruders auf der anderen Seite mich zu Boden stürzen lässt, bitte um einen Kuss meiner noch ungeborenen Tochter.
  10. Wenn der Lebensatem uns für immer verlässt, brauche ich eine aus den Tränen unseres Schwesterchens Jugnu gewobene Decke, um mich und mein jüngeres Brüderchen zuzudecken.

PS. Vergiss nicht, bitte sage meinen Freunden: wenn mein Sarg nach Hause gebracht wird, soll keine Fahne ihn bedecken, und bitte auch keine Ehrensalutschüsse. Lass die Kinder unseres Hauses nicht in Uniform erscheinen!

Dein Surjit

Übersetzt von Annakutty Valiamangalam K.-Findeis aus dem Malayalam ins Deutsche am 28. September 2021

Leseproben aus dem Gedichtband „Ich glaube nicht an Grenzen“

Kopf (S. 46)

Der ganze Körper unter der Erde, der Kopf allein draußen; überlegend, wie man die Erde retten könnte.

Ich glaube nicht an Grenzen

Mit denen, die an Grenzen glauben, reden nicht Wasserquellen und Sterne. Ich glaube nicht an Grenzen. Wie können Sandkörner wissen, in welchem Land sie liegen? Die Wurzeln der Apfelbäume brechen durch die von Menschen gebauten Mauern und verschränken ihre Hände. Wind, Wasser und Wurzeln agieren gegen Mauern, Vögel schneiden die Grenzen mit ihren scharfen Flügelspitzen. Die Grenzen auf der Landkarte halten nicht einmal die dürren Blätter auf. Lasst uns Flüsse werden.

(Aus dem Klappentext auf der Rückseite des Gedichtbandes)

Hitler, Stalin

Hitler sagte zu Stalin: Lasst uns den Globus teilen, Linke Hälfte für dich, Rechte Hälfte für mich. Kerker, Psychiatrien, Gaskammer, Waffen, Bomben, Armee: Alles halbe-halbe. Felder, Arbeitsstätte, Wiesen, Paläste, Parks, Köchinnen, Diener, alles zur Hälfte. Die zu fällenden Bäume zur Hälfte, die zu gewinnenden Bauern zur Hälfte, die jüdischen Synagogen für mich zum Zerstören, die christlichen Kirchen für dich zum Kassieren. Stalin flüsterte, mit zuckenden Augen, in Hitlers Ohr: Unsere Uniformen und Absichten sind ebenso eins. Unsere Schnurrbärte und Bücher mögen ein wenig unterschiedlich sein. Für den Sozialismus, sei er mein oder dein, gibt es nur zwei Feinde: Erstens das Volk. Zweitens, Gott. Beide werden wir erledigen. Stalin und Hitler Hand in Hand links, rechts Schritte wechselnd begannen den Siegesmarsch um den Globus.

© für die Übersetzungen: Annakutty Valiamangalam K.-Findeis

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