Mahasweta Devi (1926–2016)

Mahasweta Devi Mahasweta Devi Foto: Horlemann Verlag

Mahasweta Devi (Mahāśbetā Debī) ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des modernen Indien, deren Kunst untrennbar mit ihrem sozialen Engagement verbunden ist. Sie wurde am 14. Januar 1926 geboren und starb am 28. Juli 2016. Ihre Eltern, Manish Ghatak und Dharitri Devi, waren beide namhafte Schriftsteller. Von 1936–38 besuchte sie die von Rabindranath Tagore gegründete Schule/Hochschule in Shantiniketan, auf die sie von 1944–46 zurückkehrte und ein Studium der englischen Literatur mit dem B.A. abschloss. 1947 heiratete sie den Dramatiker Bijon Bhattacharya. Aus dieser Ehe ging Nabarun Bhattacharya hervor, der ebenfalls ein namhafter Schriftsteller wurde. Sie besuchte Deutschland mehrmals, zuletzt zur Frankfurter Buchmesse 2006 als Leiterin der Delegation des Gastlands Indien.

Engagement und Auszeichnungen

In ihren Werken trat sie für die Menschenrechte der unteren Klassen Indiens, besonders auf dem Land, ein und geißelte die dort weit verbreitete Schuldknechtschaft. Ihre leidenschaftliche Zuwendung galt jedoch vor allem den Stammesgemeinschaften der Ureinwohner Indiens, die immer mehr aus ihren traditionellen Siedlungsgebieten vertrieben und ihrer grundlegenden Rechte beraubt werden und deren Existenz bis heute bedroht ist. Als Journalistin deckte sie Fälle krassen Unrechts auf, unterstützte die Gründung von Menschenrechtsorganisationen und befasste sich mit den prekären Lebensumständen der Ureinwohner, aber auch mit deren Widerstand.

Für ihren „mitfühlenden Kreuzzug mittels Kunst und aktiven Engagements, um den Stammesvölkern einen gerechten und ehrenhaften Platz im nationalen Leben Indiens einzufordern“ erhielt sie 1997 den Ramon Magsaysay Award, der als asiatischer Friedensnobelpreis gilt. Mahasweta Devi erhielt außerdem für ihr literarisches Werk und ihr soziales Engagement zahlreiche indische Preise, darunter den Sahitya Akademi Award, den Padma Shri, den Jnanpith Award, den Padma Vibhushan und den französischen Ordre des Arts et des Lettres.

Werk

Mahasweta Devi verfasste über einhundert Romane, zwanzig Erzählungssammlungen, eine Reihe von Dramen und Kinderbüchern.

Kennzeichnend für ihr Werk ist ihre Aussage: „Ich habe immer daran geglaubt, dass die wirkliche Geschichte vom einfachen Volk gemacht wird. Ständig stoße ich auf das Wiederauftauchen in verschiedener Form von Folklore – Balladen, Mythen und Legenden.“ So schafft sie in vielen ihrer Gestalten (Bashai Tudu, Draupadi) eine Art moderner Mythen. Ihre Helden und Heldinnen erhalten über ihre individuellen Züge hinaus einen auf die jeweilige Situation bezogenen allgemeingültigen Charakter. Wichtig waren für Mahasweta Devi immer genaue Vor-Ort-Recherchen. Das trifft besonders auf den erschütternden Roman Aufstand im Munda-Land zu, der die letzte große Erhebung der Munda-Ureinwohner Ende des 19. Jahrhunderts gegen die britische Fremdherrschaft sowie das Leben ihres Anführers Birsa nachzeichnet, der nicht einmal 30-jährig in englischer Gefangenschaft starb.

Einen umfassenden Einblick in Leben und Schaffen der Autorin bietet der Band Mahasweta Devi – Indische Schriftstellerin und Menschenrechtlerin von Hans-Martin Kunz (Draupadi Verlag, 2006).

Barbara Dasgupta

Auf Deutsch erschienen

  • Pterodactylus (Bonner Siva Series, 2000)
  • Daulati (Bonner Siva Series, 2002)
  • Mutter von 1084 (Bonner Siva Series, 2003)
  • Aufstand im Munda-Land (Horlemann, 2005)
  • Das Mädchen Warum-Warum (Kinderbuch, Draupadi 2006, Neuauflage 2012)
  • Das Brahmanenmädchen und der Bootsmann (Draupadi, 2013)

Leseprobe

Das Autorenporträt (PDF, unten) enthält eine Leseprobe aus Aufstand im Munda-Land (Horlemann Verlag, 2005).

Zum 100. Geburtstag von Mahasweta Devi veranstaltete das Literaturforum Indien e.V. im Februar 2026 eine Online-Konferenz – siehe Veranstaltungen.

Weiterführende Links


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