Khushwant Singh (1915-2014)

Zur Person

Khushwant Singh Khushwant Singh: „99: Unforgettable Fiction, Non-Fiction, Poetry & Humour“ Rupa Publications, 2014

Khushwant Singh war ein indischer Autor, Diplomat, Rechtsanwalt, Journalist und Politiker. Er wurde am 2. Februar 1915 in Hadali, Punjab (heute in Pakistan) in einer Sikh-Familie geboren. (Zu dieser Zeit wurden die meisten Geburten und Todesfälle nicht registriert. Daher gab der Vater von Khushwant Singh einfach den 2. Februar 1915 als sein Geburtsdatum an, als er Singh einschulen wollte. Khushwant Singhs Großmutter meinte allerdings, dass er im August geboren sei. Dies veranlasste Singh, selbst den 15. August 1915 als sein Geburtsdatum zu bestimmen.) Als Kind besuchte Singh die Modern School in Delhi. Später studierte er im Government College (Lahore), im St. Stephen's College (Delhi) und im King's College (London).

Als Kritiker des Establishments und der gesellschaftlichen Heuchelei nahm Khushwant Singh einen besonderen Platz in der indischen Literaturwelt ein. Seine literarischen Werke schrieb er auf Englisch. Seine typische Eigenart, Dinge aus der Perspektive eines Außenstehenden zu betrachten, stammte aus der eigenen Erfahrung während der Teilung des indischen Subkontinents im Jahr 1947. Als jemand, der seine Wurzeln im heutigen Pakistan hatte, fühlte er sich als ein Außenseiter.

Als er noch als Rechtsanwalt am High Court von Lahore tätig war, fuhr er einst nach Kasauli am Fuße des Himalaya, um seine Familie zu besuchen. Es war nur wenige Tage vor der Teilung des Subkontinents in Indien und Pakistan im August 1947. Auf dem Weg stieß er auf einen Jeep voller Sikhs, die ihm stolz davon erzählten, wie sie gerade alle Bewohner eines muslimischen Dorfes abgeschlachtet hatten.

Dieser und andere Vorfälle finden eine anschauliche Beschreibung in seinem 1956 erschienenen Roman Train to Pakistan (auf Deutsch „Der Zug nach Pakistan“, 2008). Der Roman spielt im Sommer 1947 und erzählt die Geschichte eines fiktiven Dorfes namens Mano Majra, das an der Grenze zwischen Indien und Pakistan liegt. Es ist ein Ort, an dem Sikhs und Muslime seit Jahrhunderten friedlich zusammenlebten. Der Wendepunkt des Romans ist die Ankunft eines mit Leichen von Sikhs beladenen Zuges, die dem Dorf den ersten Vorgeschmack vom Schrecken des Bürgerkriegs gibt. Mano Majra, einst ein friedliches multireligiöses Dorf, wird von der Welle religiösen Hasses ergriffen und verwandelt sich in ein Schlachtfeld.

Neben Romanen schrieb Khushwant Singh viele Kurzgeschichten. Sie sind in verschiedenen Sammlungen veröffentlicht, wie The Mark of Vishnu and Other Stories (1950), The Voice of God and Other Stories (1957), A Bride for the Sahib and Other Stories (1967) und The Portrait of a Lady: Collected Stories (2007). In etlichen seiner Geschichten hebt Khushwant Singh hervor, wie viel Schaden durch Aberglauben entsteht. So wird z.B. in „The Mark of Vishnu“ ein frommer, aber unwissender Diener für seinen Glauben, gute Werke zu vollbringen, indem er einer Kobra ehrfurchtsvoll täglich eine Schale mit Milch herausstellt, hart bestraft: Eines Tages beißt die Schlange ihn tot.

In seiner 2002 erschienenen Autobiografie Truth, Love & A Little Malice schreibt Singh in aller Offenheit über seine Begegnungen mit den Premierministern Jawaharlal Nehru und Indira Gandhi sowie über den Terroristen Jarnail Singh Bhindranwale, über die talentierte, wegen ihres freizügigen Umgangs mit der Sexualität skandalumwitterte Malerin Amrita Sher-Gil und über einfache Menschen, die während der Teilung Indiens zu Mördern wurden. Auch über sein eigenes Leben schreibt er ungeschönt. Er dokumentiert seine beruflichen Triumphe und Misserfolge als Rechtsanwalt, Journalist, Schriftsteller und Abgeordneter sowie die Annehmlichkeiten und Enttäuschungen in seiner über sechzigjährigen Ehe, seine Angst vor Geistern und seine Faszination für den Tod.

Khushwant Singh war auch Herausgeber mehrerer renommierter indischer Zeitungen und Zeitschriften wie The Illustrated Weekly of India, The National Herald und Hindustan Times. Während seiner neunjährigen Tätigkeit als Herausgeber von The Illustrated Weekly stieg die Auflage von 65.000 auf 400.000. Er war Gründer und Herausgeber der indischen Regierungszeitschrift Yojana. Nachdem seine Tätigkeit als Redakteur bei der Hindustan Times beendet war, schrieb er weiterhin eine Kolumne mit dem Titel With Malice Towards One and All für verschiedene führende indische Tageszeitungen. Diese Kolumne war enorm beliebt bei den Lesern. Mit dem ihm eigenen Witz beschrieb Singh darin unter anderem die typischen Verhaltensmerkmale von Indern und westlichen Ausländern.

Isha Pandit

Auszeichnungen

  • Padma Bhushan von der indischen Regierung (1974; 1984 gab Khushwant Singh diese Auszeichnung aus Protest gegen die Militäraktion der Indira-Gandhi-Regierung am Goldenen Tempel in Amritsar, Punjab, zurück)
  • Punjab Rattan Award von der Regierung des Bundesstaates Punjab (2006)
  • Padma Vibhushan von der indischen Regierung (2007)
  • Sahitya Akademi Fellowship (2010)
  • Fellow des King's College London (2014)

Auf Deutsch erschienen

  • Die Brücke am Satledsch, Roman, aus dem Englischen übersetzt von Iris Foerster und Rolf Hellmut Foerster, 219 S., Diederichs Verlag, Köln und Düsseldorf, 1957
  • Die Sikhs, Bildband, aus dem Englischen übersetzt von Ernest L. Wich und Odilie Pembaur, 144 S., Burg Verlag, Sachsenheim und Stuttgart, 1986
  • Delhi, Roman, aus dem Englischen übersetzt von Martin Hielscher und Sabine Niemann, 460 S., Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1995
  • Paradies und andere Geschichten, Kurzgeschichtensammlung, aus dem Englischen übersetzt von Claudia Wenner, 268 S., Dörlemann Verlag, Zürich 2006
  • Der Zug nach Pakistan, Roman, aus dem Englischen übersetzt von Axel Monte, 235 S., Insel Verlag, Frankfurt am Main 2008

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