Jaiwanti Dimri

Zur Person

Jaiwanti Dimri Jaiwanti Dimri

Jaiwanti Dimri wurde in einem Dorf im Bezirk Chamoli in Uttarakhand geboren und wuchs in Mussorie auf. Die Berge sind ein wichtiger Teil ihres Lebens, und es ist kein Zufall, dass sie die meisten Jahre davon in Mussoorie, Shimla und außerhalb von Indien in Bhutan verbracht hat. Reise- und Abenteuerlust brachten ihr aber auch prägende Erfahrungen in anderen geographischen und kulturellen Umgebungen ein. 1982–83 war sie als Dozentin in Damaturu im Norden von Nigeria, einer Region, die heute leider vor allem im Zusammenhang mit dem unseligen Wirken der Terrororganisation Boko Haram bekannt ist.

1997–99 lebte und arbeitete sie als Dozentin am Sherubtse College in Kanglung, Bhutan, und 2013 war sie für kürzere Zeit in Portland, USA. Ihrer Ausbildung und beruflichen Tätigkeit nach ist sie Anglistin und Literaturwissenschaftlerin. Zu ihren Schwerpunkten in Forschung und Lehre gehören Postcolonial Studies und Subaltern Studies ebenso wie die Auseinandersetzung mit übersetzungstheoretischen Fragen. Viele Jahre arbeitete sie als Professorin am Lehrstuhl für Englisch an der Himachal Pradesh University, Shimla. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand ist sie auch als Gastprofessorin an der Universität Dehradun tätig.

Herkunft und familiäre Bindungen, das Eintreten für die Rechte von Frauen, die Neugier auf andere Kulturen, die Arbeit an der Universität und die Tätigkeit als freischaffende Autorin, all das macht Jaiwanti Dimris Persönlichkeit aus. Von sich selbst sagt sie: „Da ich in eine Brahmanen-Familie hineingeboren wurde, ist das Wissen um die hinduistische Religion und Philosophie tief in mir verwurzelt. Was für mich aber schon immer eine Herausforderung darstellte, war die Kombination von Beruf und Berufung. In einer meiner Geschichten, Gale Pari Kahani, habe ich dieses Dilemma beschrieben, auf zwei Hochzeiten tanzen zu wollen.“

Werk

Jaiwanti Dimris literarisches Schaffen beginnt im Jahr 1989 mit der Publikation ihrer Erzählung Miss Gloria ki vaapsi („Rückkehr von Miss Gloria“). Seither hat sie eine Reihe von Büchern auf Hindi und Englisch herausgebracht. Sie schreibt vor allem Kurzgeschichten, dafür wurde sie 2002 mit dem Literaturpreis Arya Smriti Sahitya Samman ausgezeichnet. Eine Auswahl ihrer Geschichten erschien 2016 auf Englisch unter dem Titel The Inner Eye and other Stories. Auf Hindi wurde eine Reihe von Erzählungen 2012 publiziert, die zweite Auflage erschien 2022. Titelgebend ist die Erzählung Pinddaan, in der es ausgehend von der hinduistischen Zeremonie der Ahnenspeisung vor allem um das Schicksal von Frauen in Nordindien geht.

Auf Deutsch erschien 2023 der Kurzroman Für Surju, der autobiographisch gefärbte Bericht über die zwischen Kasten- und Klassenbewusstsein einerseits und weiblicher Solidarität andererseits schwankenden Beziehungen zwischen einer Hausangestellten und ihrer Chefin vor dem Hintergrund der sozialen Umstände unter Ausländern in Bhutan, dem „glücklichsten Land der Welt“. Jaiwanti Dimri fertigte selbst eine sehr freie Übertragung des Hindi-Originals an, sie erschien unter dem Titel To Surju. With Love.

Über dieses Werk sagt die Autorin: „Nichts im Leben ist geplant. Die Dinge geschehen im Leben auf ihre eigene Weise, das ist meine feste Überzeugung. Ich gehöre nicht zu den Schriftstellern, die sich jeden Tag ritualisiert an den Schreibtisch setzen, um zu schreiben. Im Gegenteil, ich schreibe nur, wenn ich etwas sehr Dringendes zu schreiben habe, ein Ereignis oder einen Gedanken, der unbedingt herauskommen muss. Für Surju ist so ein Werk, das einfach aufgeschrieben werden wollte.“

Neben belletristischen Arbeiten veröffentlichte sie mehrere Sachbücher, darunter ihr Images and Representation of the Rural Woman: A Study of the Selected Novels of Indian Women Writers sowie ihre Bücher über Bhutan: The Drukpa Mystique: Bhutan in Twenty First Century (2004) und Memorable Memories of Bhutan (2021), für das sie 2023 den NISSIM Prize for English Prose erhielt. Bhutan und seine Kultur beeindruckten sie tief und regten sie an, den Roman The Hero With Thousand Eyes des bhutanischen Schriftstellers Karma Ura ins Hindi zu übersetzen. Er erschien 2009 unter dem Titel Sahasranetradhaari Naayak.

Von ihrer tiefen Verbundenheit mit der Kultur der Bergregionen des nördlichen Indien ebenso wie ihrem Interesse an der Stärkung der Stellung von Frauen zeugt der gemeinsam mit Madhu Singh herausgegebene Band Short Stories and Memoirs of Women Writers of Uttarakhand in English Translation (2017), sowie die Mitwirkung an einer Sammlung von Gedichten von Frauen auf Garhwali und Kumauni (Triveni, hrsg. von Madhu Singh, 2013).

Almuth Degener

Buchveröffentlichung in deutscher Übersetzung

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