Chudamani Raghavan (Ār. Cūṭāmaṇi)
Zur Person
Chudamani Raghavan wurde am 10. Januar 1931 in Chennai, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Tamilnadu, geboren. Sie wuchs auf in einer Brahmanenfamilie als dritte Tochter von Thiru Raghavan, einem Beamten im Indian Civil Service (District Collector of Chennai).
Aufgrund einer körperlichen Behinderung wurde sie nicht eingeschult, sondern zuhause unterrichtet, anfangs von ihrer älteren Schwester, die ihr schon früh Bücher zum Lesen empfahl und sie mit der klassischen Literatur vertraut machte, später von Privatlehrern. Sie bildete sich danach unablässig weiter und fing, ermutigt von ihrer Mutter Kanakavalli, die Malerin war, recht früh an zu schreiben und zu malen. Ihre jüngere Schwester Rukmini Parthasarathy begann später ebenfalls zu schreiben und machte sich auch einen Namen als Schriftstellerin.
Nach einer bereits 1954 in der Tamil-Wochenzeitschrift Tinamani Katir veröffentlichten unterhaltsamen Satire erschien 1957 Kaviri, Chudamani Raghavans erste anspruchsvolle Erzählung, die mit dem Kalaimagal Silver Jubilee Award ausgezeichnet wurde. 1960 folgte ihr erster Roman Manattukku iniyavaḷ, der den Narayanaswami Iyer Memorial Award des Tamil-Magazins Kalaimakal gewann. 1961 errang sie ferner für ihr Drama Iruvar Kandanar den Ananda Vikatan Award.
Werk
Im Lauf ihres von Leid geprägten Lebens veröffentlichte sie insgesamt 32 Bücher – Sammlungen von Erzählungen, Stücke und Romane. Die von ihr dabei bevorzugte literarische Form war die Erzählung. Insgesamt verfasste sie mehr als 600 Erzählungen, von denen sie mehrere auch ins Englische übersetzte und in Zeitschriften (Femina, Pratibha India, Manushi, Women's Era u.a.) sowie in Sammelwerken (Glimpses. Modern Indian Short Stories (1992), Penguin Books (2004) u.a.) veröffentlichte.
Ihre in ihrer Muttersprache Tamil verfassten Erzählungen erschienen in 19 Sammlungen, darunter, um nur einige von ihnen zu nennen: Oliyin mun (1959), Cirukataikal (1978), Cuvarotti (1985), Amma (1987), Kinaru (1991), Astamanak kolankal (1993).
Unter ihren Romanen seien hervorgehoben: Pinju mukam (1959), Punnakai punkottu (1965), Iravuccutar (1974, ins Englische übersetzt unter dem Titel Yamini, 1996).
In ihrem Todesjahr veröffentlichte der namhafte Tamil-Schriftsteller Dilip Kumar den ausgewählte Erzählungen enthaltenden Sammelband Nagalinga maram (Adaiyalam). Es folgten zwei Sammlungen mit je über 50 Erzählungen: Thanimai Thalir (Kalaichuvadu, 2013) und Innoru Murai (Kavita Publications, 2017).
Im Jahre 2015 erschien sodann erstmals ein von Prabha Sridevan aus dem Tamil ins Englische übertragener Erzählungsband mit dem Titel Seeing in the Dark, Short Stories by R. Chudamani (Oxford University Press).
Im Jahr darauf fand Chudamani Raghavans Vermächtnis Ausdruck auf der Bühne, als die renommierte englischsprachige Theatergruppe Madras Players sieben ihrer Erzählungen unter dem Titel Chudamani präsentierte.
2021 würdigte der südindische Regisseur Gnana Rajasekaran Chudamanis Werk mit Ainthu Unarvugal, einer Verfilmung von fünf ihrer Kurzgeschichten.
Neben den erwähnten Auszeichnungen wurde Chudamani Raghavan mit dem Ilakkiya Chintanai Award, dem Tamil Sangam Award sowie dem Tamilnadu Government Award geehrt.
Chudamani Raghavan verstarb am 13. September 2010 im Alter von 79 Jahren. Sie gilt als einzige Autorin unter den tamilischen Schriftstellerinnen ihrer Zeit, deren Werk nicht als didaktisch, sentimental oder rein unterhaltungsorientiert, sondern stets als literarisch eingestuft wurde.
In Erfüllung der in ihrem Testament niedergelegten Verfügung ging ihr gesamtes Vermögen als Spende an Hilfsorganisationen wie „Ramakrishna Mission Students' Home“, „Ramakrishna Math Charitable Dispensary“ und „Voluntary Health Services“.
Die namhafte Schriftstellerin C. S. Lakshmi, die unter dem Namen „Ambai“ schreibt und 1988 SPARROW (Sound & Picture Archives for Research on Women), eine Non-Governmental Organisation, gegründet hat und ihr seitdem als Direktorin vorsteht, äußert sich in ihrem in der Zeitung „The Hindu“ am 2. Oktober 2010 veröffentlichten, mit „Loss of a Crest Jewel“ überschriebenen Nachruf auf Chudamani Raghavan über ihr Œuvre wie folgt:
„The core concern of her stories remained till the very end, human life as it is lived in the present day. Women in her stories emerge as characters bracing the strong winds of life, fighting and resisting and sometimes succumbing. Sometimes it seemed as if her characters had exaggerated emotions but it was more than made up by the earthiness she gave them and by the lyrical and poetic language in which she painted them, which caught the subtlest of emotions with ease and dexterity.“
Dieter B. Kapp
(aktualisiert von Hem Mahesh am 8.12.2021)
Auf Deutsch erschienen
- Der Nagalinga-Baum, aus dem Tamil übersetzt und herausgegeben von Dieter B. Kapp, Draupadi Verlag 2017
- Zwei Welten, aus dem Tamil von Hem Mahesh, Lotos Werkstatt 2021
Leseprobe
Rezensionen
- Rezension zu „Der Nagalinga-Baum“, erschienen in SÜDASIEN 3/2017
- Rezension zu „Zwei Welten“, erschienen in SÜDASIEN 4/2021
Weiterführende Links
- Nachruf auf Chudamani Raghavan in „The Hindu“ vom 2. Oktober 2010
- Chudamani: Theateradaption der Kurzgeschichten durch die Madras Players (The Hindu)
- Writer Chudamani's women come alive on celluloid in Ainthu Unarvugal (The Hindu)
