Uday Prakash

Uday Prakash Uday Prakash in Bonn, 2017

Uday Prakash (geboren 1952) ist zweifellos einer der bedeutendsten Hindi-Autoren der Gegenwart. Die italienische Prakash-Übersetzerin Alessandra Consolaro beschreibt ihn als „Trendsetter“ vor allem für magischen Realismus (jādūī yathārthvād) in der Hindi-Literatur. Er stammt ursprünglich aus dem Dorf Sitapur, Distrikt Anuppur, Madhya Pradesh, dessen Sprache und Lebensart ihn geprägt haben und das er bis heute als Heimat und Rückzugsort betrachtet. Viele der Plots in seinen Kurzgeschichten sind hier verortet. Stilistisch schließt er damit auch an die großen Meister des sogenannten Regionalismus (āṃcaliktā) in der Hindi-Literatur an. Zur Metropole Delhi und auch zum Trubel des dortigen Literaturbetriebs hat Prakash ein gespaltenes Verhältnis.

Leben und Laufbahn

Nach Schulausbildung und College machte er einen Masterabschluss in Hindi, wofür er von der Universität Saugar 1974 mit einer Goldmedaille geehrt wurde. Als Journalist und überzeugter Sozialist geriet er in seiner Heimatregion als junger Mann in politische Schwierigkeiten und kam daher nach Delhi, wo er 1975–76 PhD-Student und 1978 Assistenzprofessor an der Jawaharlal-Nehru-Universität wurde. Zwischendurch war er als Regierungsangestellter in der Kulturabteilung der Staatsregierung von Madhya Pradesh, als Mitherausgeber der Hindi-Literaturzeitschrift Pūrvāgrah und als Mitarbeiter im Rabindra Bhawan in Bhopal tätig. Von 1982 bis 1990 machte er als Journalist und Redakteur hauptsächlich für die Hindi-Zeitschrift Dinmān eine steile Karriere, später auch in der Sunday Mail sowie im TV-Bereich und in der Filmproduktion. Seit 1993 ist er als Freelancer und freier Schriftsteller tätig.

Der bedeutende Hindi-Literaturkritiker Rajendra Yadav (1929–2013) bestärkte den jungen Uday Prakash, seinen eigenen Stil weiterzuentwickeln, und brachte seine Kurzgeschichten in der von ihm herausgegebenen Literaturzeitschrift Hans heraus. Während sich die klassischen Progressivisten mit Uday Prakashs Vermischung von Imagination und Traumsequenzen mit sozialem Realismus, Politik und existentialistischen Inhalten sowie mit seinem Hang zu metafiktionalem Schreiben schwertaten, stieß sein Stil schon bald auf eine begeisterte Leserschaft. Manche sehen darin eine substantielle Weiterentwicklung des literarischen Erzählens in Hindi.

Werk

Als 2001 der Roman Das Mädchen mit dem gelben Schirm (Pīlī chatrī vālī laḍkī) in mehreren Folgen in Hans zu erscheinen begann, schlug Rajendra Yadav dem Autor vor, die ursprünglich auf drei Folgen geplante Serie auf fünf zu verlängern – worauf sich Prakash einließ.

Es erschienen zahlreiche Sammlungen von Kurzgeschichten, u.a. Tirich („Der Waran“), Arebā-Parebā („Die zwei Häschen“) und Waren hestings kā sāṃḍ („Der Stier des Warren Hastings“). Daneben erschienen mehrere Gedichtsammlungen, u.a. Suno kārīgār („Hör zu, Handwerker“), Abūtar kabūtar („Tauben und sonstige Vögel“) und Rāt men hārmoniyum („Nächtliches Harmoniumspiel“). Im Juni 2020 erschien in der Hindi-Ausgabe von India Today eine erste aufsehenerregende Kurzgeschichte zum Thema Corona-Virus in der Hindi-Literatur unter dem Titel Antim nīmbū („Die letzte Zitrone“), in der sich die bei Uday Prakash ohnehin ausgeprägte kulturpessimistische Haltung geradezu ins Apokalyptische steigert.

Preise

Uday Prakash erhielt bedeutende indische und internationale Literaturpreise, u.a. den Pushkin Award, Dvijdev Samman, Bharat Bhushan Agrawal Puraskar, Om Prakash Samman, SAARC Literary Award und als Höhepunkt den begehrten Sahitya Akademi Award (2010), den Prakash 2015 im Zusammenhang mit der enttäuschenden Reaktion der Sahitya Akademi auf den Mord an M. M. Kalburgi allerdings wieder zurückgab.

Heinz Werner Wessler

Auf Deutsch erschienen

  • Ein Tag im Leben des indischen Iwan Denissowitsch, übersetzt von Barbara Lotz, in: Die Horen, Band 188, 1997
  • Der goldene Gürtel. Erzählungen, übersetzt von Lothar Lutze, Draupadi Verlag 2007
  • Das Mädchen mit dem gelben Schirm, Roman, übersetzt von Ines Fornell, Reinhold Schein und Heinz Werner Wessler, Draupadi Verlag 2009
  • Doktor Wakankar, Roman, übersetzt von André Penz, Draupadi Verlag 2009
  • Mohandas, Roman, übersetzt von Ines Fornell und Gautam Liu, Draupadi Verlag 2013
  • Die Mauern von Delhi, zwei Erzählungen, übersetzt von Anna Petersdorf und Barbara Lotz, Draupadi Verlag 2015

Leseprobe

Das Autorenporträt (PDF, unten) enthält die vollständige Erzählung Die Schachtel aus dem Band Der goldene Gürtel – mit freundlicher Genehmigung des Draupadi Verlags.

Lesungen mit Uday Prakash: siehe Lesungen (Bonn 2017).

Weiterführende Links


📄 Dieses Autorenporträt als PDF herunterladen (mit Leseprobe „Die Schachtel“)

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