Syed Kashif Raza

Zur Person

Syed Kashif Raza Syed Kashif Raza Foto: Almuth Degener 2025

Syed Kashif Raza wurde am 10. Mai 1973 geboren, er ist verheiratet und lebt in Karachi. Er hat für verschiedene Medien gearbeitet und ist seit 2008 Senior Producer/Executive Producer bei dem Nachrichtensender Geo News. Er nahm an zahlreichen Konferenzen in Pakistan, am Rekhta Literature Festival in Delhi und am Global Media Forum in Bonn teil, organisierte selbst literarische Events und arbeitete als Dozent bei verschiedenen Schreibworkshops mit. Er ist Herausgeber des Literaturmagazins Karachi Review.

In Pakistan ist Syed Kashif Raza als Intellektueller, Journalist und TV-Redakteur, als Literaturkritiker, als Dichter und seit seinem ersten Roman Vier Derwische und eine Schildkröte (im Urdu-Original cār darweš aur ek kachuā) auch als Romanautor bestens bekannt. Darüber hinaus ist er auch als Übersetzer tätig – zu den Autoren und Autorinnen, deren Werke er ins Urdu übertrug, gehören Arundhati Roy, Muhammad Hanif und Maniza Naqvi, dazu Texte von James Joyce, Jorge Luis Borges, Carlos Fuentes, Isabel Allende und anderen. Von Noam Chomsky übersetzte er die Interview-Sammlung 9-11 zu den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 und das USA-kritische Buch The Culture of Terrorism.

Die Liste der von ihm übersetzten Autoren lässt die Bandbreite seiner Interessen erahnen, die Literatur ebenso betreffen wie Politik, Geschichte, Philosophie und Film. Er beherrscht neben Urdu auch Panjabi, Sindhi und Englisch, lernt gern Fremdsprachen und liebt es zu reisen.

Das literarische Werk

Syed Kashif Raza hat sich seinen Ruf als bedeutender Autor vor allem als Lyriker erworben. Sammlungen seiner Gedichte erschienen 2003 (Muḥabbat kā maḥall-e vuqūʹ) und 2012 (Mamnūʹ mausamõ kī kitāb). Gedichte von ihm wurden ins Englische, Arabische, Hindi und Sindhi übersetzt. 2022 war er Mitherausgeber einer Anthologie, die sich in Bild und Text mit den Erfahrungen der Corona-Pandemie auseinandersetzte (Between Quarantine and Quest).

Vier Derwische und eine Schildkröte ist Syed Kashif Razas erster Roman. Er erschien 2018, wurde 2020 mit dem UBL Prize for Best Fiction ausgezeichnet und schaffte es auf die Shortlist für den Literaturpreis des Karachi Literary Festival.

Die Protagonisten des Romans, die vier „Derwische“, erzählen ihre jeweils eigenen Geschichten. Der Journalist Javed Iqbal ist Besitzer der Schildkröte Archimedes und ein Mann, der nach der idealen Frau sucht; doch bleiben seine Versuche, sich wirklichen Frauen zu nähern, in Voyeurismus stecken. Sein Halbbruder, der ebenso beliebte wie verantwortungsvolle Philosophieprofessor Aftab Javed, hat noch nie eine Beziehung gehabt. Überaus erfolgreich beim weiblichen Geschlecht ist dagegen Iqbal Muhammad Khan, charmanter Diener der Liebe und der Poesie. Schließlich ist da noch der unglückliche, von allen schikanierte Dorfjunge Bala, der unter den Einfluss islamistischer Terroristen gerät.

Den Rahmen der Handlung bilden zwei historische Bombenanschläge auf die ehemalige Premierministerin Pakistans, Benazir Bhutto. Denn Vier Derwische und eine Schildkröte ist ein politisches und ein philosophisches Buch. Zu den Stimmen der vier Derwische tritt die des Erzählers als metafiktionales Element sowie die Stimme der Schildkröte – eine überzeitliche, für die Gesellschaft unsichtbare und dennoch allwissende Lieferantin spöttischer Kommentare. Der Roman ist ein kluges und witziges literarisches Werk, ein Kommentar zur gegenwärtigen Situation Pakistans und ein Manifest gegen die im System verankerte zunehmende religiöse und soziale Intoleranz und Gewalt.

Almuth Degener

Auf Deutsch erschienen

  • Vier Derwische und eine Schildkröte. Roman. Übersetzt von Almuth Degener. Draupadi Verlag 2024, 288 S.

Leseprobe

Lesungen mit Syed Kashif Raza: siehe Lesungen (Lesereise Mai 2025).

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