Mrinal Pande

Mrinal Pande Mrinal Pande, 2023

Mrinal Pande (geboren 1946) ist öffentliche Intellektuelle, Schriftstellerin, Journalistin und Herausgeberin zugleich. Auf Englisch und Hindi mischt sie sich mit ihren Kommentaren und Kolumnen regelmäßig in gesellschaftliche, kulturelle und politische Debatten ein. Älteren Generationen ist ihr Gesicht nicht zuletzt als Nachrichtensprecherin des staatlichen Fernsehprogramms Doordarshan und später STAR News bekannt. 2006 erhielt sie als Anerkennung für ihre Verdienste für den indischen Journalismus den hohen staatlichen Verdienstorden Padma Shri.

Ein Feminismus, der alle partikulären Interessen überschreitet, ist ihr ein grundlegendes Anliegen – vielleicht mehr als alles andere. Ihr Einsatz mit der Feder gilt den Frauen aller Klassen, Religionen und Stände. Bekannt (und angefeindet) wurde unter anderem The Subject is Woman (1991) und ihre tabufreie Beschäftigung mit weiblicher Sexualität in Stepping Out · Life and Sexuality in Rural India (2003). Andererseits betont Mrinal Pande in Interviews, dass sie sich nicht auf Feminismus reduzieren lassen will, und in der Tat ist ihr Spektrum breit. Ein wichtiges Thema sind ihr etwa die Spaltungen der Gesellschaft in Arm und Reich, Hindus und Nicht-Hindus sowie Stadt und Land. The Other Country: Dispatches from the Mofussil (2012) handelt von den Gegensätzen zwischen dem großstädtisch geprägten Indien und dem oft romantisch verklärten oder als rückständig verdammten indischen Land mit seinen Dörfern und Kleinstädten, in denen immer noch die Mehrheit der Bevölkerung zuhause ist.

Leben und Laufbahn

Mrinal Pande wurde noch unter britischer Kolonialherrschaft geboren, wuchs aber im jungen Indien in den Jahren nach der Unabhängigkeit auf. Ihr kritisches Denken entwickelte sich nicht zuletzt als Kritik an der Fortschrittsrhetorik dieser Epoche. Ihre Liebe galt der Sprache und der Literatur – wobei für sie die Sprache der Kolonialherren, Englisch, und Hindi keine einander ausschließenden Optionen waren, sondern im Gegenteil: Beide Welten zogen die junge Frau an.

Krönung des Studiums – zunächst in Nainital (Kumaon, Uttarakhand) – war ein Master in Englisch an der Universität Allahabad. Danach lehrte sie zunächst an ihrer Alma Mater, später an den staatlichen Universitäten in Bhopal und in Delhi. 1980 entschloss sie sich, die universitäre Karriere an den Nagel zu hängen, und sattelte ganz auf den Journalismus um. Kürzlich hat sie sich in einer viel diskutierten Publikation mit der Geschichte des Hindi-Journalismus beschäftigt (The Journey of Hindi Language Journalism in India: From Raj to Swaraj and Beyond, 2022).

Jahrelang war Mrinal Pande Redakteurin der Zeitschriften Vāmā (1984–1987) und Saptāhik Hindustān für die Times of India Group. Im Jahr 2000 wurde sie leitende Redakteurin von Hindustan, einer der führenden indischen Tageszeitungen in Hindi. Als erste Frau wurde sie Generalsekretärin der indischen Vereinigung der Redakteure (Editors' Guild of India). Zugleich baute sie eine Vereinigung der weiblichen Redakteure und Journalistinnen auf (Indian Women's Press Corps). Nach der Pensionierung 2009 war sie von 2010 bis 2014 im Vorstand des staatlichen indischen Medienkonsortiums Prasar Bharati. Bis heute schreibt sie regelmäßig Kolumnen in The Indian Express.

Ihre verehrte Lehrmeisterin der Hindi-Literatur war ihre Mutter Gauri Pant (1923–2003), die seit den 1950er Jahren unter dem Pseudonym „Shivani“ zu einer der Vorkämpferinnen weiblichen Schreibens in der Hindi-Literatur geworden war. Diese Mutter ist eine der starken Frauen in ihrem Buch Devi: Tales of The Goddess in our Time (2000). Mrinal Pande ist selbst Herausgeberin der Sammlung von Kurzgeschichten ihrer Mutter in zwei Bänden (Sampūrṇ kahāniyāṃ, 2018).

Werk

Zu den Sammlungen ihrer zahlreichen Kurzgeschichten gehören die jüngst erschienenen Cār din javānī terī (2019) und Māyā ne ghumāyo (2021). Bekannt sind auch ihre Versionen von Volksliteratur aus Uttarakhand in modernem Standard-Hindi, von denen manche in indische Schulbücher eingegangen sind. Unter ihren Romanen gelten Viruddh („Dagegen“) und Sahela re („Oh, meine Freundin!“) als die bekanntesten. Bei dem letzteren, 2017 im Original und 2023 in englischer Übersetzung erschienen, handelt es sich um eine fiktionale Ehrerbietung vor den Musikern und vor allem Musikerinnen der klassischen indischen Tradition.

Jüngster in der Riege ihrer Hindi-Romane ist Himulī Hīrāmaṇī Kathā (2017) – eine aktuelle Politsatire im Stil der altindischen Erzählungsliteratur. Die abenteuerliche Geschichte eines einäugigen Papageien spiegelt die Veränderung der politischen Verhältnisse, die die Wahlen von 2014 mit sich gebracht hatten. In der Gestalt einer märchenhaften Erzählung stellt dieser Roman eine fiktionalisierte Reaktion einer Schriftstellerin auf die ersten Regierungsjahre unter Premierminister Narendra Modi dar. Die handelnden und erzählenden Figuren dieses verschachtelten Romans verbinden den gebildeten Ausdruck mit Bauernschläue, eloquente Rhetorik mit Gewissenlosigkeit sowie den Sinn für Ästhetik mit Netzwerkarbeit zum Zweck des Machtgewinns.

Heinz Werner Wessler

Auf Deutsch erschienen

  • Die Schöne und der Papagei. Ein satirischer Roman aus Indien (Draupadi Verlag 2023). Übersetzt von Almuth Degener, Ines Fornell, Max Kramer und Heinz Werner Wessler.

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