Jacinta Kerketta
Zur Person
Geboren 1983 im Dorf Khudpos, West-Singbhum-Distrikt, Jharkhand, am Rande des großen Saranda-Waldgebiets an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Jharkhand und Odisha. Jacinta Kerketta ist freiberuflich tätig als Journalistin und im Bereich Bildung und Sozialarbeit. Sie schreibt in Hindi.
Sie ist Nachkommin der Ureinwohner, der indigenen Gemeinschaften Indiens, die sich selbst neben ihren verschiedenen Stammesnamen auch als Adivasis (wörtlich „die ersten Bewohner“) bezeichnen. Die Adivasis gehören neben den Dalits (wörtlich „die Unterdrückten“, früher „Unberührbare“ genannt) zu den seit Jahrhunderten am meisten ausgebeuteten, unterdrückten und diskriminierten Bevölkerungsgruppen Indiens.
Bereits in ihren journalistischen Arbeiten, aber noch eindringlicher in ihren Gedichten thematisiert Jacinta Kerketta immer wieder die leidvolle Geschichte und die nicht weniger leidvolle Gegenwart der Adivasis. Schon die ersten Einzelveröffentlichungen erlangten sehr viel Aufmerksamkeit: Die Intensität und Tiefe ihrer Sprache sind ein Novum auch in der indischen Lyrik, wie selbst renommierte Kollegen feststellen. Die Gedichte enthalten eine zutiefst menschliche Botschaft, die sich in allen Kategorien ihrer Lyrik offenbart, seien es Gedanken über die Natur, über das Leben und Überleben der indischen Ureinwohner, über das Leben in den Städten oder zur Situation der Frauen. Die Bilder und Metaphern, die sie verwendet, sind nie statisch oder nur beschreibend, sie lässt sie lebendig werden – sie changieren mit der darin enthaltenen Botschaft, die Botschaft selbst entfaltet sich und verschmilzt mit dem jeweiligen Bild. Jacinta Kerketta versteht es, den tiefsten, unterschwelligen, unausgesprochenen Empfindungen sprachlich und bildhaft Gestalt zu verleihen und sie damit Realität werden zu lassen.
Erste einzelne Gedichte wurden in bekannten Hindi-Literaturzeitschriften veröffentlicht, z.B. in „Parichay“ der Benares Hindu University, Abteilung für Hindi-Literatur, „Naya Gyanoday“ in Delhi, „Yuddhrat am admi“, „Shukravar“, wie auch in Lyrik-Sammelbänden, z.B. „Shatdal“, „Retpath“, „Samandar men suraj“, „Kalam ko tir hone do“, „Mati“ etc.
Johannes Laping
Auszeichnungen
Für ihre journalistische Tätigkeit und ihr soziales Engagement erhielt Jacinta Kerketta verschiedene Auszeichnungen und Förderungen. Darunter:
- 2014: „Indigenous Voice of Asia Award“ für einen Bericht als Adivasi-Autorin über lokale Widerstandsaktivitäten von Adivasis, verliehen durch die Organisation „Asia Indigenous People's Pact“, Thailand
- 2014: Auszeichnung für Gedichte durch das „Jharkhand Indigenous People's Forum“ anlässlich des Welttags der Indigenen Völker
- 2014: Gewährung eines UNDP-Fellowships für die Tätigkeit als freiberufliche Journalistin
- 2015: Auszeichnung als bedeutende Nachwuchs-Lyrikerin mit dem „Ravishankar Upadhyay Memorial Youth Poetry Award“ des Dr. Ravishankar Upadhyay Memorial Institute, Benares
Buchveröffentlichungen
- Glut. Gedichte Hindi-Deutsch. Übersetzung: Brigitte Komarek-Chhabra und Johannes Laping, Draupadi Verlag 2016 (Parallelausgabe: ANGOR. Hindi-Englisch, adivaani, Kolkata 2016)
- Tiefe Wurzeln. Gedichte Hindi-Deutsch. Übersetzung: Vijay K. Chhabra, Brigitte Komarek-Chhabra, Johannes Laping, Draupadi Verlag 2018 (Parallelausgabe: JADON KI JAMIN. Hindi-Englisch, Bharatiya Jnanpith, New Delhi 2018)
Leseprobe: Der Tod der Muttersprache
Da – im Mund von Mutter selbst – Wurde die Muttersprache eingesperrt. Und die Kinder Wurden größer Und forderten immerzu ihre Freiheit. Die Muttersprache starb nicht von selbst: Man hat sie umgebracht. Doch das konnte Mutter nie begreifen. Für die Hoffnung der Kinder Auf Essen und mehr Tat sie alles, Biss selbst die Zähne zusammen, Und so, träumend von nur ein paar Bissen, Wurde die Muttersprache zerrissen. Noch heute glaubt Mutter, Der Tod der Muttersprache Sei ihr Schicksal gewesen ....
Aus: Tiefe Wurzeln, S. 22–23. Mit freundlicher Genehmigung des Draupadi Verlags, Heidelberg.
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