Anuj Lugun

Zur Person

Anuj Lugun Anuj Lugun Foto: privat

Anuj Lugun wurde am 10. Januar 1986 in Simdega (Jharkhand) geboren und ist ein Hindi-Schriftsteller, vor allem für seine lyrischen Werke bekannt. Anuj Lugun gehört der Volksgruppe der Munda an und thematisiert in seinen Werken den Verlust der Stammesidentität und der natürlichen Lebensgrundlagen der Adivasi. Für ihn spielen dabei das schwindende Verhältnis vom Menschen zur Natur und der zunehmende Kapitalismus eine zentrale Rolle. Außerdem greift er Mythen seiner Volksgruppe auf und beschäftigt sich mit der Geschichte ihrer Kämpfe.

Schon von Kindestagen an hatte er eine Leidenschaft für das Lesen und Schreiben. Sein Vater arbeitete in der Armee und seine Mutter leistete ihren Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie, indem sie Reisbier herstellte und verkaufte. Sein Onkel väterlicherseits war in den 70er und 80er Jahren ein einflussreicher Anführer des Volkes bei der Jharkhand-Bewegung und dem Naxaliten-Aufstand und hatte mit seiner breitgefächerten Sammlung von Literatur aus aller Welt den jungen Anuj Lugun schon früh beeindruckt. Auch sein Vater nahm sich ein Beispiel hieran und brachte ihn schon in jungen Jahren mit Zeitschriften in Berührung. Dies schreibt er der Tatsache zu, dass innerhalb der Bewegung Wert auf Bildung gelegt wurde. Die Mutter ermöglichte es ihm sporadisch, Comics zu lesen.

Anuj Lugun schildert die Atmosphäre seiner Kindheit als konfliktgeladen aufgrund der Jharkhand-Bewegung, des Naxaliten-Aufstandes, des Kampfes gegen den von ihm als „Dschungel-Mafia“ bezeichneten Zusammenschluss (das Koel-Karo-Staudammprojekt) und der Unterdrückung der Adivasi von Seiten des Staates und der Gesellschaft.

Der Wunsch nach Auflehnung gegen die Ungerechtigkeit auf Seiten der Adivasi wuchs zusehends und dies beeinflusste auch den jungen Anuj Lugun.

Seine Schulbildung erwarb er an der St. Vianney School in Lachragarh (Jharkhand) und in der siebten Klasse verfasste er sein erstes vollständiges Gedicht zum Widerstand gegen die Polizei, welche die Adivasi benachteiligte.

Trotz der schwierigen Umstände und Verfolgung durch den Staat, ermöglichten es ihm seine Eltern, durchgängig zu lernen und später zu studieren. Durch die Erweiterung seines Wissens, wurden die Gedanken an eine Rebellion, angetrieben durch das Beispiel seiner Eltern, die auf Seiten der benachteiligten Gesellschaftsschichten standen und sich gegen Ungerechtigkeit stellten, immer tiefgründiger, was sich in seinen literarischen Werken abzeichnete. Erst studierte er am Ranchi College.

Im Jahr 2007 wurde er an der Banaras Hindu University in Varanasi für den Master-of-Arts-Studiengang zugelassen, dies bezeichnet er als großen Aufschwung für sein literarisches Schaffen. Er lernte erstmals, dass zur Poesie auch die öffentliche Rezitation gehört. Hier begann er, an literarischen Programmen teilzunehmen und erhielt gleich bei seiner ersten Teilnahme Bestätigung und Unterstützung von den Lehrkräften für sein poetisches Talent. Seine Gedichte gewannen an Wiedererkennungswert und die Idee des Adivasi-Kampfes drang in die Hindi-Literatur vor.

Erstmals wurden seine Dichtungen in der Zeitschrift „Vagarth“ und später, durch Unterstützung seines Doktorvaters Dr. Ashish Tripathi (Banaras Hindu University) in der Zeitschrift „Vasudha“ veröffentlicht.

Er schloss seinen Studiengang und danach sein Lehramtsstudium ab und verfasste anschließend seine Doktorarbeit zum Thema „Der melodische Lebensrahmen in Adivasiliedern auf Mundari und die Bestrebungen der Adivasi“.

Seine Gedichte werden heutzutage regelmäßig in renommierten Zeitungen und Zeitschriften Indiens veröffentlicht. Außerdem verfasst er für die indische Tageszeitung „Prabhat Khabar“ regelmäßig Berichte für die Leitartikelseite zum Thema Adivasi. Rund um dieses Thema war er bereits an mehreren nationalen und internationalen Seminaren beteiligt, hat diesbezüglich Forschungsartikel publiziert und setzt sich für gesellschaftliche und kulturelle Aktivitäten ein. Zusätzlich liegt sein besonderes Augenmerk auf der Adivasi-Thematik und der im unabhängigen Indien entstandenen Hindi-Literatur. Er rezitiert regelmäßig Gedichte auf Veranstaltungen rund um das Thema lyrische Dichtung.

Derzeit ist Anuj Lugun als Assistant Professor für indische Sprachen (Hindi) an der Central University of South Bihar (Gaya) angestellt.

Vanessa Kremer

Veröffentlichungen

Literarische Texte:

  • Aghoshit Ulgulan („Unverkündeter Großer Tumult“), Pragatishil Vasudha-Verlag 2009
  • Bagh aur Sugna Munda ki Beti („Der Tiger und die Tochter von Sugna Munda“), Vani Prakashan 2017

Sachtexte:

  • Adivasi Asmita Prabhutav aur Pratirodh („Die Identität der Adivasi – Unterdrückung und Widerstand“), Ananya Prakashan 2015

Werke in deutscher Übersetzung

  • Der Tiger und die Tochter von Sugna Munda, aus dem Hindi übersetzt von Vanessa Kremer, Draupadi Verlag 2022

Auszeichnungen

  • „Bharat Bhushan Agarwal“-Preis 2011 für junge Lyriker (für die Gedichtsammlung Aghoshit Ulgulan)
  • „Savitri Tripathi Smriti“-Preis 2014 (für seine gesamten literarischen Werke)
  • „Yuva Puraskar“-Preis 2019 der Sahitya Academy (für das Langgedicht Bagh aur Sugna Munda ki Beti)

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